sometimes life is stranger than fiction
ALT.

Jetzt bin ich 20 und was ist anders?
Wie immer, nichts.

Obwohl es mich schon schaudert, wenn ich die Zahl hör, so an sich, zwan-zich...zwei Jahrzehnte...
verbleiben wir bei 19+1.

Ich möchte nicht, dass man von mir verlangt, vernünftig und erwachsen zu sein. Nein, andersrum: ich möchte nicht, dass man mir das Kindisch- Kreativ- und Durcheinandersein verbietet.

20, ne.

Ach, weiße...


((( >< )))

1.5.07 16:48


Lourdes on the roof

Sie traf Lourdes auf dem Dach, er sah noch immer so aus wie früher. Er hatte spitze Ohren und Mundwinkel, die in übertriebenem Maße nach oben gebogen waren. Seine Haut besaß den matten Ton eines fleischfarbenen Buntstifts.
   „Lourdes?“, fragte Emma, was überflüssig war, aber nicht überrascht, und stellte den Kassettenrekorder auf den Boden. Musik plärrte blechern. Lourdes sprang erfreut in die Höhe und tänzelte auf den Zehenspitzen über das Geländer.
   „Meine kleine Emma!“, sang er jovial. „Lang, lang ist’s her, jaah, wie steht’s mit dem Alkohol?“
Emma betrachtete ihr halbvolles Glas. „Nich’ so spannend, wie ich dachte. Hilft beim Vergessen. Na, ja, manchmal, jetzt gerade nicht. Leider.“
   „Du bist alt geworden“, tadelte Lourdes, als wäre es ein Charakterfehler. „Weißt du noch, wann du zum letzten Mal mit mir gesprochen hast?“
   „Bei meinem ersten Joint. Später hatte ich keine Halluzinationen mehr.“
Ein Kieksen! Aus der Kehle des Lourdes. Er verharrte in der Luft. Wedelte mit den Armen und stand ganz nah vor Emma. „Halluzinationen? Nennst du mich eine Hallu – ich habe dir oft genug den Unterschied erklärt!“
   „Ja, ja, lang ist’s her“, winkte Emma ab, nahm einen Schluck, „tschuldige“, ging zum Geländer. Ihre Bewegungen glichen einem Tuch, das fallengelassen wird und in sich zusammenfällt.
Lourdes ist nie länger als wenige Sekunden verärgert. Verärgert sein macht keinen Spaß. Es macht ein seidenes Geräusch und Lourdes stand neben Emma am Rand des Daches.
   „Und? Was machen wir heute Abend?“
   „Ich frage mich, ob ich sterben kann, wenn ich nicht real bin.“
   „Oooh, eine wirsche, unlogische und melodramatische Frage, das gefällt mir!“
   „Ich meine, dir ist soviel passiert, aber du lebst immer noch.“
   „Wenn du es so formulieren willst. Was hast du denn vor?“
Emma starrte mit trüben Augen. Schwarze Nacht, Kälte beißt. Dünnes Nachthemd und verschwitzter Bademantel. Klammes Gefühl. Blitzlichtgewitter in der City. Emma ließ das Glas los und es sauste ohne zu schreien durch die Nacht, die Flüssigkeit umwirbelte sich selbst, und beides befleckte mit einem leichten Klirren die Einfahrt.
   „Oh, GUT!“ Lourdes klatschte in die Hände, lachte. „Lass es uns zusammen tun!“
Emma umklammerte die kalte Eisenstange und riss sich die Handfläche auf; Lourdes daneben auf dem Geländer wippte in der Hocke wie ein Turmspringer.
   „Das wird ein Sssspaß –“
   „Emma?“
Fuhr herum und fühlte sich ertappt wie ein Kind vor der Keksdose. Hielt mit der Hand den Mantel zu, hinterließ blutige Striemen auf hellblauem Stoff. Alex war aus der Tür des Treppenhauses getreten. Sein Gesicht zeigte Verwirrung.
   „Was machst du hier? Was ist los?“
Das Radio sang. Lourdes drehte sich auf der Spitze des großen Zehs, blieb, eine Pirouette andeutend, neben Emmas Ohr stehen. „Was ist das?“, zischte er süß und misstrauisch.
   „Ehm, ehm, Alex“, startete Emma.
   „Wer ist das?“, diesmal von Alex. „Wer sind Sie? Was tun Sie mit ihr?“
Lourdes machte einen bestürzten Satz nach hinten und packte Emmas Schultern. „Es kann mich sehen – Emma – es sieht mich! Es ist doch ein Mensch!“
   „Ehm –“
Alex trat einen Schritt vor, Emma/Lourdes einen zurück, gepresst an die Balustrade.
   „Was –“
   „Du kannst“, sagte heisere Emma, „meinen imaginären Freund sehen!“
Lourdes schnaubte.
   „Was?“
   „Du kannst, normalerweise kann man das nicht, aber vielleicht ist es doch eine Halluzination!“
   „Wenn“, grunzte grollte spuckte Lourdes mit roten Augen, „du mich noch einmal Halluzination nennst, dann, Mädchen, kannst du allein springen!“
   „SPRINGEN.“
Alex versuchte nicht mehr näher zu kommen. Dafür hob er die Hände, langsam, sah Emma an, und Lourdes, und Emma, Lourdes, wieder Emma. Alex sagte einen Satz, der sehr schön ist, aber sinnentleert, daher auf Ratlosigkeit hindeutend – „Lass und darüber reden…“
   „Wenn er real ist, sind wir auch real!“, hauchte Emma hoch und klar. „Wenn er es nicht ist, sind wir…“

2.5.07 15:40


Krimilyrik

wieder ein Buch gefunden - Griff in die 1EuroKiste und - Krimilyrik. Lyrikkrimi. Sex & Crime in Gedichten. Downunder. Mal was anderes. 
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DIE LEERE UNIVERSITÄT

Ist das Arbeit oder Rache?

Es sind Semesterferien
und das Gebäude ist ruhig.

Ich weiß, daß sie weg ist.

Meine Finger freuen sich
aufs Einbrechen.

*

DIE FALSCHE NUMMER

Das Telefon klingelt

ich knips das Licht an
   reib den Schlaf aus den Augen
   räuspere mich

"Jill Fitzpatrick"
ich entwirre meinen schlummernden Namen

aufgelegt

ich werde wach, plötzlich
   wie unter einer kalten Dusche

es ist vier Uhr früh

es ist finster draußen

ich warte

ich kenne das Spiel

das Telefon klingelt

ich warte

laß es klingeln

ich heb ab

lausche

aufgelegt

ich lege auf
   greif nach der Pistole

entsichere sie

eine Diele knarrt

ich steck eine Zigarette an

das Telefon klingelt

ich bin schnell

du hast die falsche Nummer, Wichser

das Telefon schweigt

ich sitz daneben

kettenrauchend

und drück meine Kanone an mich

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Dorothy Porter, "Die Affenmaske"

2.5.07 15:57


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