sometimes life is stranger than fiction
geSchichte.machen

Ich mag Antiquariate.

heute bei Siebert. Wieder vier Schätze abgestaubt.
"Verbrechergeschichten", E. A. Poe.
"Die Glasmundharmonika", H.W. Geissler
"Jahrmarkt der Unsterblichkeit", Paul Gallico
"Die Geschichte von Uhlenspiegel", Charles de Coster.
Laut Bibliothekar alles wundervolle Bücher ...

Schade, dass kaum jemand noch die alten Bücher liest.


- - -


Die beiden Schaufenster starrten als große schwarze Augen in die Winternacht hinaus.
Im Inneren des Ladens sah man die hohen, fahlen Regale mit ihren tausenden, schlafenden Büchern.
Der Detektiv wanderte an der Hauswand entlang und blieb vor der Tür stehen. Es war eine schwere, mit reichlichen Schnitzereien verzierte Tür aus dunklem Holz mit eingelassenem Fenster, in dem nun ein Schild mit der roten und fein geschwungenen Aufschrift „Geschlossen“ hing.
Alex grübelte: der Laden lag direkt auf dem Heimweg, doch er war ihm nie zuvor aufgefallen. Vermutlich war es einer dieser Zauberläden, die urplötzlich irgendwo auftauchten und für immer da gewesen zu sein schienen, doch wenn man später diesen Laden wieder finden wollte, so war er verschwunden. Nun, natürlich war er nicht wirklich verschwunden, wahrscheinlich nur eine Straße weiter, oder an einer ähnlich gelegenen Straße, oder es war ein 99-Cent-Laden, der morgens öffnete und abends wieder auszog.
Beim nächsten Oder fuhr Alex zusammen, als es direkt neben ihm HALLELUJAH! Bimmelte und der Weihnachtsmann in der Tür erschien.
   „Hätten Sie vielleicht Lust auf eine heiße Tasse Tee?“
Alex blinzelte. Er sah nur einen leuchtenden weißen Bart, bis das Gesicht ein wenig näher kam und ein fröhliches Grinsen und spöttische Augen die Gestalt als Bibliothekar identifizierten. 
   „Oh, äh. Guten Abend! Ich dachte, Sie hätten zu?“
Der Bibliothekar schaute zum Schild an der Tür. „Ach, so. Nun, es ist nicht immer wahr, was geschrieben steht. Sie wollen doch zu mir, oder? Für Bedürftige habe ich immer geöffnet!“
Da trat der Bibliothekar auf die Straße und Alex sah, dass er ein Vergrößerungsglas über dem rechten Brillenglas trug, was sein linkes Auge sehr klein und sein rechtes Auge lächerlich groß erscheinen ließ. Außerdem trug er eine lange braune Schürze und hatte Lupe und Pinzette in der Hand.
Mit der anderen Hand hieß der alte Mann seinen späten Gast willkommen, und Alex betrat das Antiquariat. Hätte ihn ein gewisses junges Mädchen nach seinen olfaktorischen Eindrücken gefragt, so hätte er die Worte „trocken, …alt…muffig“ verwendet. Und nur zehn Sekunden später meldete sich seine Stauballergie.

- - -
*schnupper* ... :D

11.5.07 18:10


Lourdes on the roof

Sie traf Lourdes auf dem Dach, er sah noch immer so aus wie früher. Er hatte spitze Ohren und Mundwinkel, die in übertriebenem Maße nach oben gebogen waren. Seine Haut besaß den matten Ton eines fleischfarbenen Buntstifts.
   „Lourdes?“, fragte Emma, was überflüssig war, aber nicht überrascht, und stellte den Kassettenrekorder auf den Boden. Musik plärrte blechern. Lourdes sprang erfreut in die Höhe und tänzelte auf den Zehenspitzen über das Geländer.
   „Meine kleine Emma!“, sang er jovial. „Lang, lang ist’s her, jaah, wie steht’s mit dem Alkohol?“
Emma betrachtete ihr halbvolles Glas. „Nich’ so spannend, wie ich dachte. Hilft beim Vergessen. Na, ja, manchmal, jetzt gerade nicht. Leider.“
   „Du bist alt geworden“, tadelte Lourdes, als wäre es ein Charakterfehler. „Weißt du noch, wann du zum letzten Mal mit mir gesprochen hast?“
   „Bei meinem ersten Joint. Später hatte ich keine Halluzinationen mehr.“
Ein Kieksen! Aus der Kehle des Lourdes. Er verharrte in der Luft. Wedelte mit den Armen und stand ganz nah vor Emma. „Halluzinationen? Nennst du mich eine Hallu – ich habe dir oft genug den Unterschied erklärt!“
   „Ja, ja, lang ist’s her“, winkte Emma ab, nahm einen Schluck, „tschuldige“, ging zum Geländer. Ihre Bewegungen glichen einem Tuch, das fallengelassen wird und in sich zusammenfällt.
Lourdes ist nie länger als wenige Sekunden verärgert. Verärgert sein macht keinen Spaß. Es macht ein seidenes Geräusch und Lourdes stand neben Emma am Rand des Daches.
   „Und? Was machen wir heute Abend?“
   „Ich frage mich, ob ich sterben kann, wenn ich nicht real bin.“
   „Oooh, eine wirsche, unlogische und melodramatische Frage, das gefällt mir!“
   „Ich meine, dir ist soviel passiert, aber du lebst immer noch.“
   „Wenn du es so formulieren willst. Was hast du denn vor?“
Emma starrte mit trüben Augen. Schwarze Nacht, Kälte beißt. Dünnes Nachthemd und verschwitzter Bademantel. Klammes Gefühl. Blitzlichtgewitter in der City. Emma ließ das Glas los und es sauste ohne zu schreien durch die Nacht, die Flüssigkeit umwirbelte sich selbst, und beides befleckte mit einem leichten Klirren die Einfahrt.
   „Oh, GUT!“ Lourdes klatschte in die Hände, lachte. „Lass es uns zusammen tun!“
Emma umklammerte die kalte Eisenstange und riss sich die Handfläche auf; Lourdes daneben auf dem Geländer wippte in der Hocke wie ein Turmspringer.
   „Das wird ein Sssspaß –“
   „Emma?“
Fuhr herum und fühlte sich ertappt wie ein Kind vor der Keksdose. Hielt mit der Hand den Mantel zu, hinterließ blutige Striemen auf hellblauem Stoff. Alex war aus der Tür des Treppenhauses getreten. Sein Gesicht zeigte Verwirrung.
   „Was machst du hier? Was ist los?“
Das Radio sang. Lourdes drehte sich auf der Spitze des großen Zehs, blieb, eine Pirouette andeutend, neben Emmas Ohr stehen. „Was ist das?“, zischte er süß und misstrauisch.
   „Ehm, ehm, Alex“, startete Emma.
   „Wer ist das?“, diesmal von Alex. „Wer sind Sie? Was tun Sie mit ihr?“
Lourdes machte einen bestürzten Satz nach hinten und packte Emmas Schultern. „Es kann mich sehen – Emma – es sieht mich! Es ist doch ein Mensch!“
   „Ehm –“
Alex trat einen Schritt vor, Emma/Lourdes einen zurück, gepresst an die Balustrade.
   „Was –“
   „Du kannst“, sagte heisere Emma, „meinen imaginären Freund sehen!“
Lourdes schnaubte.
   „Was?“
   „Du kannst, normalerweise kann man das nicht, aber vielleicht ist es doch eine Halluzination!“
   „Wenn“, grunzte grollte spuckte Lourdes mit roten Augen, „du mich noch einmal Halluzination nennst, dann, Mädchen, kannst du allein springen!“
   „SPRINGEN.“
Alex versuchte nicht mehr näher zu kommen. Dafür hob er die Hände, langsam, sah Emma an, und Lourdes, und Emma, Lourdes, wieder Emma. Alex sagte einen Satz, der sehr schön ist, aber sinnentleert, daher auf Ratlosigkeit hindeutend – „Lass und darüber reden…“
   „Wenn er real ist, sind wir auch real!“, hauchte Emma hoch und klar. „Wenn er es nicht ist, sind wir…“

2.5.07 15:40


Truth is stranger than fiction

Original unzensierte Vorlesungsmitschrift von vor einer Stunde:

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Angewandte Sprachwissenschaften
Fachsprachliche Lexikographie
-         Lexikologie vs. Lexikographie
-         Lexikalische Erweiterung
-         Lexikalische Vielfalt
-         Formen der Wortbildung
o       Rebus
o       Akronyme
o       Blending
o       Wortverkürzung
o       Phraseologismen
o       Kombinationswörter
o       Komposita     


Lexikographie:
-         das durch Lexeme definierte Sprachsystem
-         Erstellung von Wörterbüchern

Warum fachsprachl. Lexikologie?
-

Aurelie saß in der Vorlesung und verstand kein Wort.
Das lag nicht nur daran, dass sie zehn Minuten zu spät gekommen war. Manche Dozenten sprachen einfach am liebsten, als hätte man ihnen das Fachwörterbuch in den Arsch geschoben, damit sie fortan unter Verstopfung litten, nicht mehr frei reden und mit zehnsilbigen Wörtern mit vielen Ypsilons, Xen und Anglizismen um sich werfen konnten.
Klugscheißer klatschten, als der Prof nach einer weiteren Viertelstunde endlich ein funktionierendes Mikrophon bekam. Jetzt konnten ihn auch die Leute in den hinteren Reihen hören und bekamen Ohrenschmerzen von dem Kratzen und Quietschen, das aus den Lautsprechern drang.


Lexikalische Vielfalt I

Dt.       - Sammelcontainer         Engl.    - Collection bin
          
- Iglu                                      - collector
- Recyclingcontainer             - recycling container
- Sammelbehälter                - collection container
                              - recyling centre

Dt. Glascontainer                                           
Engl.    - Bottle/glass bank
         - Papiercontainer           


Und das Beste: Aurelie saß auf der Treppe und die Fachleiterin saß neben ihr in der Bank. Also fielen Essen, Zeichnen, Lesen und Musikhören aus und sie musste so tun, als hörte sie angeregt zu.
Zumindest fiel es nicht auf, wenn sie etwas anderes…schrieb.


Lexikalische Viefalt II

umeweltfreundlich


Dann bekam sie einen mittelschweren Anfall, weil sie gerade die ganzen drei Seiten, die sie mit protestierender, schmerzender Hand mitgeschrieben hatte, als Handout durchgereicht bekam.


Rebus
W4W
B2B
B2C
C2C
C2B


Und der Prof versuchte beim Englischsprechen auch noch einen britischen Akzent.
Bloody hell.


Abkürzung nur für bestimmte Zielgruppe zugänglich (welche die Bedeutung dieser Abkürzungen kennt)
-         Beispiel auch: Internet-Abkürzungen, CU (= see you) etc.


Akronym
- Geschlecht des Akronyms wird vom letzten Kompositum abgeleitet

Auffällig: letztes abgekürztes Wort wird automatisch noch mal angehängt
Bsp. PIN (=personal identification NUMBER) à PIN-Nummer; Nummer also doppelt


Aaah. Mir ist eben der Traum von dieser Nacht eingefallen.
Ich habe von meiner Kussszene geträumt. Also Emma flieht zu Alex und dann in der Wohnung…aber ich habe nicht geträumt, dass es passiert ist, sondern, dass ich es gelesen habe. Ich hätte also nur aufschreiben müssen, was ich gelesen habe. Aber ich weiß nicht mehr, was ich gelesen habe. Nur „und sie küssten sich“ und irgendwas. Aber da stand so viel. Ein Buch…es stand in einem Buch…


Blending
-         erster Teil bestimmend, zweiter Teil der bestimmte Teil
o       sitcom
o       breathalizer (breath und analyzer à Alkoholtestgerät)
o       lit. crit. (literary ciricism)

-         modem (> modulator u. demodulator)


Definitiv britisch.

o       „better-than-expected result“ = das über den Erwartungen liegende Ergebnis
o       Best-before-date
o       Just-in-time-delivery; jit-delivery


Aber SOWAS von britisch. Diese o, das zum oe wird... oh nöo…
Bzw. Öoh I knöo……

Mein Fuß schläft.
Mein Hintern auch.

25.4.07 10:59


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